Outback-Tour

Outback – Adelaide to Alice Springs

Planänderung – zum Glück!!

Ursprünglich wollte ich ein Auto mieten und durch’s outback fegen. Viel gelesen, die ersten beiden Übernachtungen und einen Mietwagen online reserviert. Pünktlich und fest entschlossen fahre ich also zur Mietstation am Flughafen, um nur Minuten später zu erfahren, dass ich nicht das northern territory befahren darf. Das stehe zwar sehr unglücklich erst im Kleingedruckten, werde aber kaum noch geduldet. Stimmt, auch die folgenden zwei Vermieter, die ich daraufhin kontaktiere, schließen dieses Gebiet aus. Meine Güte, war ich gefrustet. Wie ein kleines Kind mache ich mich also mit gezogener Schnute und hängendem Kopf auf den Rückweg. Schließlich erkundige ich mich nach geführten outback Touren. Mit Flyern in der Hand setze ich mich auf die Terrasse und horche nochmal ganz genau in mich hinein, ob ich wirklich so ne große Mimi und nicht in der Lage bin, im outback zu zelten – anders geht’s nämlich nicht.. Aber irgendwie muss ich dahin! Dann setzt sich Sharon zu mir. Ich berichte ihr von meinem Zwiespalt und den Bedenken, allein schon bei dem Gedanken an die berüchtigten Kriechtiere ins schwitzen zu geraten. Zufällig hat sie dieselbe Tour gebucht, ermutigt mich, berichtet, dass es ganz harmlos sei, sie hat selbst vier Monate im outback gearbeitet, lacht mich aber zwischendurch immer wieder aus, weil ich mich so anstelle. Letztendlich klingt die Tour aber nach einem kleinen Abenteuer, ich frage nach verfügbaren Plätzen, zwei sind noch frei, ich muss mich also sofort entscheiden – drei, zwei, eins, dabei!

Tag 1 – 340km (Adelaide-Quorn)  Ach herrje, war ich uffjereescht. PickUp Samstagmorgen 6Uhr und loooos! Zu Beginn steuern wir allerdings noch einen BottleShop an. Bier und Wein, das muss sein. Danach besuchen wir ein wine-tasting, warum auch nicht, morgens um 9:30h? Ich probiere natürlich alle vier, keiner schmeckt. Weiter geht’s, Zeit für Mittagessen auf einem Rastplatz. Wir sind 17 Leute, zubereitet wird alles gemeinsam. Salat schnibbeln, Würstchen grillen, Brot, Sauce drauf, essen – spülen, packen, weiter. Wir sind in den Flinders Ranges, ein Gebirgszug über etwa 500km. Wir wandern nur ein kleines Stück durch die Alligator Gorge, eine kleine Schlucht, und fahren weiter nach Quorn. Hier übernachten wir. Wir laden den Trailer aus, beziehen unsere Sechsbettzimmer und machen ein barbecue. Erst hielten wir es für einen Scherz aber um 4:30h geht’s weiter. Die Entscheidung fällt leicht, kein Pub, wir gehen ins Bett.

Tag 2 – 580km (Quorn-Coober Pedy)  Langsam wird die Erde staubig und rot, wir halten irgendwo für ein bush-breakfast, machen ein Lagerfeuer mit Blick auf den Sonnenaufgang. Die kurze Nacht ist schon vergessen. Toll! Ich bin fasziniert von der Landschaft, dieses ‚Nichts‘ kann man nicht verstehen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Die Felder oder Farmen sind von einem solchen Ausmaß, dass ein Zaun etwa eine Fläche von kleineren europäischen Ländern umschließt. Find‘ da mal deine Schafsherde wieder! Unfassbar. Wir sehen hoppelnde Kängurus und weniger vom Glück verfolgte, die auf der Straße von riesigen Vögeln verspeist werden. Wir stoppen am Lake Hart, einem See mit einer dicken Salzfläche, auf der man laufen kann. Sah toll aus, hab die Entstehung aber nicht kapiert. Nach einigen Pinkelpausen erreichen wir Coober Pedy. 1700 Einwohner, Opal-Hauptstadt der Welt! Wir beziehen unser Domizil, heute schlafen wir ‚underground‘, in einem Berg. Aufgrund der hohen Außentemperaturen von über 40Grad leben die meisten Menschen in sog. ‚dugouts‘, in oder unter den Felsen herrscht immer eine angenehme, gleichbleinende Temperatur. Wir lernen in einem Museum die Entstehung und Verarbeitung von Opalen und besichtigen eine unterirdische Wohnung. Total interessant. Tatsächlich sieht der Ort aus wie auf einem fremden Planeten, daher wurden auch schon viele Filme hier gedreht oder, wie zB für Starwars, als Inspiration genutzt. Wir besichtigen die außergewöhnlich kreative, verlassene Unterkunft von crocodile harry, ein ehemaliger Krokodilfänger, der schließlich sein Glück mit der Suche nach Opalen versuchen wollte. Seine Höhle ist gespickt von Grüßen und Erinnerungen vorwiegend europaischer Besucher, welchen Harry angeblich Unterschlupf gewährte. Quasi ein altes backpacker paradies aus den 80ern und Kulisse im Film Mad Max-beyond the thunderdome. Nie von gehört.. Wir besuchen eine Känguruh-rescue Station, dürfen kraulen und füttern, sehen den Sonnenuntergang, füttern uns anschließend selbst, gute-Nacht-Bierchen, Wecker auf 4:30h.

Tag 3 – 730km (Coober Pedy-Yulara)  Heute heißt es, Sitzfleisch zu beweisen. Langsam sollte man ein Gefühl für die Größe des Landes bekommen aber es bleibt faszinierend und das outback wird unglaublich öde. Bäume, Sträucher, roter Sand. Über Stunden. Ab und zu mal ein Roadtrain, meterlange Lastwagenkombinationen, die die Versorgung der entlegenen Gebiete sicherstellen. Pipi und Kaffeepausen, gute Stimmung und Musik im Bus, ein Schläfchen und dann die Einfahrt ins northern territory. Wir steuern auf den Uluru zu. Fantastisch. Wir laufen einige hundert Meter, Löcher und Spalten im Felsen bekommen der Traumzeit-Vorstellung der Aborigines zufolge Bedeutung, dann cruisen wir zu einem Aussichtspunkt, sunset am Uluru. Hammer, was soll ich sagen.. Und nu? Auf den campground, Essen fassen und dann zur ultimativen Swag-Erfahrung! Wir schlafen diese Nacht mitten auf dem Platz, vor dem barbecue, im Sand, in australischen outdoor Schlafsäcken. Interessant, möcht‘ ich sagen. Ich mach‘ mir in die Hose. Ich lege mich also dicht neben die anderen, eigentlich albern bei dem riesigen Platzangebot, aber glücklicherweise müssen sich die meisten erstmal an das neue Schlafgemach gewöhnen und so sind wir gemeinsam taff. Natürlich habe ich angekündigt, wahllos jemanden aus dem Schlaf zu reißen, sobald ich das geringste krabbeln oder rascheln an mit feststelle, geschweige denn zum Klo muss. Ich hab‘ im Gegensatz zu allen anderen keine Taschenlampe, vorsichtshalber aber auch zwei Std vorm schlafengehen nix mehr getrunken. Ok, jammern hilft nix. Lustigerweise kommt aus verschiedenen Richtungen in unregelmäßigen Abständen ein ‚iiih‘, ‚mach das da weg‘, ‚oh gott ist das groß‘, ‚jetzt beruhig dich mal‘, ‚ja aber…!‘. Und ich? War tapfer! Hab mich zwar so tief in den Schlafsack eingegraben, dass ich fürchterlich geschwitzt hab, aber das war mir reichlich egal.. Und dann – der Sternenhimmel. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Meine Güte.  Ich war so müde aber in diesem Anblick kann man sich verlieren. Ich habe zwei Sternschnuppen gesehen. Dann bin ich eingeschlafen. Zwei Wünsche müssen vorerst ausreichen.

Tag 4 – 110km (Uluru/Kata Tjuta)  Und wieder ein early start. Diesmal vom Camp Richtung Kata Tjuta, den ‚Olgas‘. Eine Wanderung und wieder zurück. Heute hatten wir nicht viel auf dem Programm. Einige waren danach schwimmen, ich bin mit ein paar Leuten durch das Ayers Rock Resort gelatscht, (mal wieder) den Sonnenuntergang beobachtet, dinner, Swaaag-time! Diesmal war ich schon etwas entspannter.

Tag 5 – 300km (Yulara to King’s Canyon)  Wieder nix in meinen Schlafsack gekrochen und nicht vom Dingo gebissen worden. Guten Morgen!! Aufgrund des sich wiederholenden Programmpunktes mittlerweile zum running gag geworden, sollte heute wieder ein Sonnenaufgang beobachtet werden. Nee. Ich wollte mal etwas länger schlafen und in Ruhe einen Kaffee trinken! Während sich gegen 5:30h also erstes Gemurmel breit macht bin ich aber schon längst wach. Und ausgeschlafen. Die meisten machen sich also auf den Weg, die Morgendämmerung zu bestaunen, ich genieße mein Käffchen und koche Rührei, während unser Guide, Shaun, die Würstchen brutzelt. Danach fahren wir wieder zum Uluru. Heute unternehmen wir den base walk, einmal um das Steinchen herum. Ok, erledigt. Weiter geht’s in Richtung King’s Canyon. Dieser campground war…anders. Aber er hatte einen eiskalten Pool. Also rein da! Was ich dann aber feststellen musste war, dass es hier wieder komische Viecher gab. Der Dingo neben dem barbecue, war schon bemerkenswert, aber was sind das denn für seltsame, grooße, in einem Affenzahn tieffliegende, rote.. Fliegedinger? Und diese anderen Brummer, die auf der Wasseroberfläche landen können? Also bewege ich mich wie der Typ aus Matrix, damit ich nicht von ’sowas‘ angeflogen werde und hüpfe in den Pool. Naja, hier ist’s auch nicht viel entspannter – war aber halb so wild. Dann wurde es lustig. Duschen. Zwar gab es ein Tor, damit man nicht von einem Dingo überrascht wird, aber keine uüblichen Fliegengitter. Also inspiziere ich wieder mit einem Puls von 180 die Dusche. Zwei Kakerlaken in ausreichender Entfernung, Spinnen in Dusche zwei und drei. Ich nehme die erste. Soweit so gut. Dann kommt Sharon rein. Wartet, bis ich fertig bin, weil sie sich dusche drei nicht mit einem riesen Käfer teilen mag, steht also vor meiner Kabine und feuert mich an, voran zu machen. Währenddessen beobachtet sie den großen Käfer,  erzählt angeekelt von den langen Fühlern und…dass er berade seinen Weg in meine Ricjtung fortsetzt. Das führt bei mir, wie nicht anders zuberwarten zu einem lauten Schrei und ich verlasse halbnackt die Kabine. Hinterher lachen wir uns gegenseitig aus. Zeitsprung. Schlafenszeit. Es gibt zwar Zelte mit Betten und alten Matratzen aber fast jeder entscheidet sich erneut für den Swag samt Sternenhimmel. Wir haben uns wieder ziemlich gemütlich im Halbkreis formiert. Und diesmal – kreischen die anderen! Ich sach doch, hier sind mehr Viecher. Es gibt Spinnchen und Käfer in dem ein oder anderen Schlafsack und ich krieg‘ die Krise. Zwar haben wir einen riesen Spaß trotz kleiner Hysterie, aber diese Nacht war etwas schwierig. Wieder liegebich bis zum Haaransatz im Schlafsack. Hilft zwar nix aber fühlt sich besser an. Andere haben sogar ihr Fliegennetz über den Kopp gezogen. Die Fledermäuse fliegen ziemlich tief und ein Dingo schleicht um die Zelte. Irgendwie schläft man dann ja doch immer ein.. Am nächsten Morgen allerdings fehlt ein Rucksack. Diebe von außerhalb sind zwar nicht auszuschließen, der Campwart aber vermuetet einen Dingo auf Beutezug. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Tag 6 – 470km (King’s Canyon to Alice Springs)  Heute fahren wir um 4:45h schon los. Der Weg über die Felswände ist nur bis 9h geöffnet,  weil es danach mit über 40Grad zu heiß wird. Wir nehmen den sog. Rim walk, 6km zwischen den domes und über das plateau. Schön! Um es ausnahmsweise mal kurz zu machen 😉 Und nun Richtung Alice Springs! Ok, ich glaube, das folgende liest sich ziemlich kitschig, aber ich muss unbedingt die Wolken über dieser Wüste erwähnen. Ein unfassbar blauer Himmel, wie man ihn auf Bildern nicht wiedergeben kann und darin, fast unnatürlich weil so makellos, Wolken wie aus Watte. In diesem Anblick kann man sich richtig verlieren. So, schon wieder vorbei 😉  Es wird ein Stopp eingelegt, um aus den Resten ein letztes lunch zu zaubern, wir besuchen eine Kamelfarm, wo ein paar Leute eine Runde ‚reiten‘ und erreichen schließlich unsere letzte Station. Das Tor zum australischen outback, für uns der Ausgang. Gemeinsam trinken wir auf dem Anzac hill mit Blick über die Stadt noch ein Bier und verpieseln uns grüppchenweise in unsere jeweiligen Hotels. Mit den Aborigines ist in Alice Springs nicht zu spaßen. Alleine nach Hause spazieren ist nicht.

Einige Wege trennen sich hier. Ich habe aber, wie die meisten, zwei Nächte gebucht und so bietet es sich an, am nächsten Tag auf meinem Geburtstag anzustoßen. Tagsüber erkunden wir den Ort und besuchen u.a. ein Infocenter und Museum der Royal Flying Doctors, am Abend trinken wir unsere noch gesammelten Biervorräte der Tour und treffen uns anschließend in einem Pub. Und mich erwarten sogar Geschenke! Ich bekomme Kaffe, weil ich eines Morgens angeblich griesgrämig rumgemault habe, kein heisses Wasser für Kaffee zu finden, andere wandeln ihre Gabe direkt in Flüssiges um und so trjnken wir Tequila und reichlich Bier. Dank dieses Abends habe ich also drei Bars in Alice Springs kennengelernt. Großartig!

Diese Tour hat mich begeistert. Das outback hat mich fasziniert. Und in Alice Springs sind die Aborigines unheimlich. Teilweise obdachlos, alkoholisiert, auf Drogen, aggressiv und ohne Perspektive. Zumindest macht es auf mich als Touristin diesen Eindruck. Morgen fliege ich zurück nach Adelaide. Von hier starte ich, wieder auf Solopfaden, mit dem Auto in Richtung Melbourne.

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(> Anmerkung der Redaktion: manchmal berichte ich vllt etwas zu ausführlich,  aber das sind zugleich auch meine eigenen Notizen und Erinnerungsanstöße <) 🙂